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Imbolc - Dein Potential wächst im Stillen

Ende Januar, Anfang Februar ist Lichtmess oder Imbolc, wie diese besondere Zeit früher genannt wurde. Vielerorts begann nun das bäuerliche Arbeitsjahr. Feuer wurden angezündet und die Göttin willkommen geheissen, um die Felder zu segnen. Es war das Fest, das die Transformation vom Tod ins Leben feierte. Reinigende Rituale wurden vollzogen und die lichten Kräfte eingeladen. Die Erde sei schwanger, hiess es. Jetzt brauche das neu Entstehende Raum und Schutz, damit es gedeihen kann - genau wie das Potential, das sich in den letzten Tagen in dir zu regen begonnen hat.

 

Seit Weihnachten und den Rauhnächten hast du viel innere Arbeit geleistet. Dabei warst du wie die Heldinnen und Helden im Märchen, die sich von einer schwierigen Situation in Richtung  Happy End bewegen wollen. Ihre Reise, die "Heldenreise", ist ein mythologisches Schema, das die jeweiligen Zeitfenster benennt, die ein solches Unterfangen begünstigen.  Auch du kannst diese Zeitfenster nutzen, um dir ein besseres Leben zu erschaffen und deine Visionen zu verwirklichen. Folgendes hat sich also seit den Rauhnächten getan:

 

Zeitqualität vom 8. Januar bis zum 14. Januar

 

Schlüsselsatz: Das Tor des Schicksals steht weit offen und ruft den Helden, sich auf den Weg zu machen, um zu ändern, was dringend geändert werden muss.

 

Die Protagonisten im Märchen spüren plötzlich, dass ein anderes, noch unbestimmtes Schicksal sie ruft. Ja, sie merken auf einmal, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen und verändern können. Dies läutet den Moment des Aufbruchs ein. Die Helden schreiten daher an diesem Punkt der Geschichte - manchmal bildlich, manchmal im übertragenen Sinn - durch ein Tor. Es führt sie in unbekanntes Territorium.

Im rumänischen Märchen Die zwölf Kaisertöchter legt sich ein junger Kuhhirt unter einen Baum. Es muss sich aber um einen besonderen Baum handeln, denn er wird hier von einer Fee träumen. Es könnte sich also um einen Holunderbusch handeln, der schon immer als Tor zur Anderswelt galt:

Eines Mittags kam er auf eine blumenübersäte Wiese und sah mitten darin einen großen, buschigen Baum stehen. Er ging darauf zu, und weil er müde war, legte er sich in seinem Schatten nieder. Er hatte den Platz gut ausgewählt. Der Baum war so hoch, als wolle er zu den Wolken hinauf, und in seinem Laub lebten Hunderte von Vöglein, zwitscherten und bauten ihre Nester. Kaum hatte er ihrem Gesang ein wenig zugehört, so war er eingeschlafen. 

Hattest du in dieser Zeit ein besonderes Erlebnis oder machtest du ein Ritual, das dir wie ein Tor Zugang zu einer anderen Dimension verschaffte? Auf jeden Fall löste es die Geschehnisse für die darauffolgenden Tage aus:

 

Zeitqualität vom 15. Januar bis zum 18. Januar

 

Schlüsselsatz: Ein geistiger Impuls: Es wird ein Blick auf die fehlende Qualität gewährt. 

 

Im Märchen erscheint jetzt die Fee: 

Eine Fee, schöner als alle Feen Himmels und der Erde, war ihm erschienen und hatte gesagt: «Steh auf und geh an den Kaiserhof!»

Warum sagt die Fee einem armen Kuhhirten, er solle an den Kaiserhof gehen? Sie macht ihn auf ein verborgenes Potential aufmerksam! Etwas wartet dort auf ihn. Wird er vielleicht die Kaisertochter heiraten...?

Für dich bedeutet es, dass du dich rückblickend fragen kannst, ob du auch in diesem Zeitraum ein verheissungsvolles, noch ungelebtes Potential in dir entdeckt hast. Vielleicht hattest du einen Traum, oder jemand hat dir aus heiterem Himmel einen Job angeboten oder du hast jemanden kennengelernt? Gab es eine Art schicksalhafter (Feen-)Einwirkung, die dich einer neuen Bestimmung zuführen will?

 

Zeitqualität vom 18. Januar bis zum 24. Januar

 

Schlüsselsatz: Mit Aufleuchten des Potentials kommt plötzlich das Bewusstsein, was die ganze Zeit gefehlt hat. 

 

Erst jetzt folgt so richtig die bewusste Erkenntnis, was da eigentlich gerade passiert ist! Gleichzeitig mit dem inneren Aufleuchten des Potentials kommt also Klarheit darüber, was im Leben eigentlich genau fehlt. Der junge Kuhhirt würde schon gern zum Kaiserhof. Aber was soll er da? Ihm fehlen die Möglichkeiten um sich an einem Kaiserhof zu bewegen: schöne Kleider, gute Manieren, die nötigen Beziehungen:

 

«Ei der Tausend, was soll das heißen?» rief er aus und sann umsonst den ganzen Tag lang darüber nach. Er merkte nicht, daß der gute Stern, unter dem er geboren war, sich ihm zuneigte und ihm seine Dienste anerbot.

 

Trotzdem wäre es verheissungsvoll, den Kaiserhof aufzusuchen und vielleicht sogar die Prinzessin zu sehen. 

 

Zeitqualität vom 25. Januar bis zum 27. Januar

 

Schlüsselsatz: Die Vision, wie wundervoll das Leben sein könnte, bringt eine Woge der Zuversicht. Sie motiviert den Helden zum Weitermachen. 

 

Immer wieder legt er sich unter den Baum. Kann er seinem Traum wirklich Glauben schenken? 

 

Am nächsten Mittag legte er sich wieder unter den Baum bei den vielen Blumen und träumte den gleichen Traum. «Zum Kuckuck, wer hält mich zum Narren?» rief er aus und sprang auf. Wieder zerbrach er sich den Kopf und konnte den lieben langen Tag nicht herausbringen, was er tun sollte.

 

Es ergreift ihn ein bislang unbekanntes Hochgefühl, könnte er es am Ende etwa doch schaffen? Warum eigentlich nicht? Geht es dir auch so? Bist du von einer zuvor ungekannten Euphorie ergriffen, wenn du an dein inneres Potential denkst?

 

Das ist gut so, und soll so sein. 

 

Zeitqualität vom 27. Januar bis zum 31. Januar

 

Schlüsselsatz: Noch unbemerkt von der Umwelt wächst das Potential still in dir heran. 

 

Spätestens jetzt sollte der Groschen gefallen sein. Da macht das Schicksal mit Nachdruck auf ein Potential aufmerksam: der Kuhhirt soll unbedingt an den Kaiserhof, auch wenn es ihm scheint, als habe er dort nichts verloren. Die Fee wird langsam ungeduldig:

 

Am dritten Tag erschien ihm die Fee wiederum, als er unter dem Baume schlief, und sprach die gleichen Worte. Dazu aber drohte sie ihm mit Krankheit und den erbärmlichsten Plagen, wenn er nicht gehorchte.

 

Diesem Wink sollte der Kuhhirt also unbedingt folgen. So wächst jetzt in ihm - fast noch unbemerkt - etwas Neues heran, das er hegen und pflegen sollte. Wenn es im Jahreslauf heisst, das Fest von Imbolc feiere die Schwangerschaft der Erde, dann ist damit genau dies gemeint: hier wächst im Stillen ein noch unsichtbares Potential heran. Genauso wie eine Schwangerschaft dem neu Entstehenden Raum und Schutz gewährt, musst auch du deinem Potential jetzt Raum und Schutz gewähren, damit es gedeihen kann.

 

 

 ©Andrea Hofman, 2021

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