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Narrenzeit - Zeit veränderter Wahrnehmung

Der Narr aus dem Hofämterspiel
Der Narr aus dem Hofämterspiel

 

Wir befinden uns auf einer Reise durch das Jahr mit den Märchenheldinnen und -helden als unsere Vorbilder. Der Ursprung des Begriffs "Held" lässt darauf schliessen, dass Helden einfach Menschen sind, die sich auf der Suche nach dem Glück befinden. Ihr Geschick entwickelt sich zu ihren Gunsten, weil sie sich im Einklang mit den natürlichen Zyklen und ihren jeweiligen Zeitqualitäten bewegen.

 

Bislang führte die Reise vom „Es war einmal“, das jeweils zur Wintersonnenwende mit der Neugeburt der Sonne zusammenfällt, über Imbolc bis zur jetzigen Narrenzeit, bei der sich die Wahrnehmung der Heldinnen und Helden zu verändern beginnt. Eine veränderte Wahrnehmung löst auch verändertes Handeln aus, oder umgekehrt, ein verändertes Handeln löst eine veränderte Wahrnehmung aus. Es entsteht eine neue Form der Interaktion mit der Umgebung, was befreiend ist und die Grundlage für ein neues Lebens schaffen kann. 

 

Die Helden werden jetzt zu Narren - im positiven Sinne. Über die Tarot-Karte „Der Narr“, die auch dem Helden zugeschrieben wird, heisst es bei Jean-Marie l’Hôte:

 

„Der Narr ist der Erde und ihrem ursprünglichen Zustand verhaftet, im Gegensatz zu den Königen und anderen Mächtigen, die die Erde beherrschen.“ (Les Tarots, Paris, Atlas, 1978)

 

Ein Narr ist also jemand, der den ursprünglichen Zustand kennt und daher die Machthaber durchschaut. Die Macht ist ein Spiel mit Regeln und Symbolen und während der Narrenzeit werden diese rituell verkehrt und parodiert, was einen Blick auf die Tabus der Gesellschaft erlaubt. 

 

Zeitqualität vom 1. Februar bis zum 7. Februar

  

Schlüsselsatz: Gleichzeitig mit der Hoffnung auf eine neue, bessere Zukunft, regt sich auch der Widerstand

 

Die Auswirkung dessen, was in deinem Leben fehlt, wird überall deutlich. Dies spornt dich an, an der Verwirklichung deines Potentials zu arbeiten und das Fehlende, das du zwischen dem 18. und 24. Januar identifizierst hast, in dein Leben zu holen. Wie konntest du nur so blind sein und dieses Fehlende vorher nicht bemerken, fragst du dich.

 

Mit dieser Erkenntnis und dem Bedürfnis, dein Potential unbedingt entfalten zu wollen, hast du aber gleichzeitig Widerstand hervorgerufen. Dein Umfeld kennt dich auf eine bestimmte Weise und scheint nicht zu wollen, dass du dich veränderst. "Was willst du da jetzt verändern, es ist doch alles gut, so wie es ist?" heisst es vielleicht. Diese Widerstände können jedoch auch in dir selber sein: "Wieso sollte ich mir die Mühe nehmen, die Dinge anders zu sehen? Wieso sollte ich den bequemen, altbewährte Blick aufgeben?" Wenn du ehrlich bist, weisst du, dass du dich bereits zu verändern begonnen hast, es gibt kein Zurück mehr zum alten Ich. Sei mutig und mach dich jetzt bereitwillig zum Narren. Durch einen Rollentausch oder eine Kostümierung, im symbolischen oder auch im wörtlichen Sinne, lernst du das Leben von einer anderen Seite kennen. 

 

Im Grimm Märchen Die Gänsemagd zum Beispiel verhält sich plötzlich die Zofe nicht mehr wie eine Magd. Sie tauscht die Rollen und verweigert der Prinzessin ihren Dienst:

 

'Wenn ihr Durst habt,' sprach die Kammerjungfer, 'so steigt selber ab, legt euch ans Wasser und trinkt, ich mag eure Magd nicht sein.' 

 

Will die echte Prinzessin zukünftig eine gute Königin sein, muss sie sich jetzt in den Rollentausch schicken. Auch sie muss ihre Wahrnehmung verändern. Denn sie kann nur eine weise Königin werden, wenn sie die Rolle der Untertanen am eigenen Leib erfahren hat.

 

Es ist nur natürlich, dass sich Widerstand in dir und um dich herum regt, wenn du deine Rolle in der Gesellschaft verändern willst. Dennoch, willst du zukünftig ein anderes, besseres Leben haben, ist es jetzt an der Zeit, anders zu denken und anders zu handeln. 

 

Zeitqualität vom 8. Februar bis zum 15. Februar

  

Schlüsselsatz: Eine geheimnisvolle Unterstützung, die die Helden befähigt, die fehlende Qualität zurückzuholen. Sie darf nicht für etwas Schädliches gehalten werden.

 

Die Dinge dauerhaft zum Besseren verändern zu wollen, ist kein leichtes Unterfangen, das hast du in der letzten Woche gemerkt. Du wolltest die Entfaltung deiner neu entdeckten Potentiale und Visionen vorantreiben, doch das ist nicht überall auf Gegenliebe gestossen. Widerstand hat sich geregt, in dir selbst, aber auch in deinem Umfeld. 

 

Jetzt kommt eine geheimnisvolle Unterstützung ins Spiel. In jedem Märchen taucht an dieser Stelle eine Hilfestellung auf, die die Heldinnen und Helden damit ausstattet, das Fehlende zurückzuholen. Ohne diese Hilfe ginge die Geschichte gar nicht weiter. Hänsel in Hänsel und Gretel hat Kieselsteinchen gesammelt, und als die Kinder im Wald ausgesetzt werden, beleuchtet der Mond die Steinchen "wie neugeschlagene Batzen". Sie finden wieder nach Hause. Hier ist also der Mond der Helfer (siehe mein Blogartikel Ein Lob auf die dreizehnte Fee). In anderen Märchen wird ein langgehütetes Geheimnis verraten, wie zum Beispiel, dass die Brüder verzaubert wurden oder im französischen Märchen Die Schöne und das Biest findet der verirrte Vater das geheimnisvolle Schloss, in dem das Biest wohnt. Es bietet ihm Schutz und hat einen prächtig gedeckten Tisch. Diese Form der Unterstützung stattet jetzt die Figuren im Märchen damit aus, die fehlende Qualität in ihr Leben zurückzuholen.  

 

In dieser Zeit ist es daher wichtig, dass du eine Verbindung zu deiner Intuition herstellst. Was wird jetzt näher beleuchtet? Was erfährst du jetzt, das vorher geheim war? Welche neuen Räume und Reiche erschliessen sich dir in dieser Zeitspanne?

 

Nun ist es aber nicht immer so, dass die Unterstützung auf den ersten Blick hilfreich aussieht. Der Mond hat ja Hänsel und Gretel auch kein Essen serviert. Dennoch hat der Mond die Handlung vorangetrieben, die letztlich in ein Happy End mündete. Das Gleiche gilt für das gelüftete Geheimnis und das Reich des bedrohlichen Biestes, in das der Vater von Belle hineingeraten ist.

 

Wir sind erst am Anfang der Veränderungen, wir kennen diese Geschichten und wissen, dass es noch viele Abenteuer zu bestehen gibt. Dennoch, hätte Hänsel nicht die Unterstützung des Mondes gehabt, wären er und Gretel schon jetzt im Wald gestorben, die Schwester hätte ihre Brüder nie gesucht und erlöst, und der Vater von Belle wäre auf der Stelle den wilden Tieren zum Opfer gefallen.

 

Wichtig ist, dass du die Unterstützung annimmst, die sich dir jetzt bietet. Lass dich nicht abschrecken, wenn sie in einer ungewöhnlichen Form kommt oder gar beängstigend wirkt. Du wirst diese Hilfe erst im Nachhinein vollständig verstehen, daher ist es nützlich, wenn du dir jetzt notierst, was du in der Nacht träumst und was dir tagsüber durch den Kopf geht beim Spazieren oder Meditieren. 

 

Zeitqualität vom 16. Februar bis zum 25. Februar 2021

 

Schlüsselsatz: Eine ganz neue Wahrnehmung deiner Umgebung. Etwas grundlegend Lebensveränderndes nimmt langsam Gestalt an.

 

Jetzt befinden sich die Märchenheldinnen und -helden also in einer neuen Rolle und/oder an einem unbekannten Ort. Wer sich in einer anderen Rolle oder an einem unbekannten Ort befindet, verhält sich sehr viel aufmerksamer und versucht die Situation erst einmal einzuschätzen. Danach wird das Verhalten den Umständen entsprechend angepasst. Manche Heldinnen und -helden in den Märchen verstecken sich erst einmal und evaluieren die Situation. Diese veränderte Wahrnehmung sowie das dadurch veränderte Handeln wird ihr Leben in neue Bahnen lenken.

 

Auch du siehst in diesen Tagen die Dinge plötzlich anders. Vielleicht befindest du dich auch tatsächlich in einer neuen Situation, einem neuen Job, einer neuen Beziehung, einer neuen Wohnung oder an einem fremden Ort. Oder aber du bist im Alltag und nimmst das Leben plötzlich ganz anders wahr. Erforsche diese veränderte Sichtweise auf dein Leben. Du bist jetzt heller, wacher, offener und aufmerksamer. Daraus erschliessen sich dir neue Zusammenhänge, was wiederum deinen Handlungsspielraum erweitert. Darin liegt die Chance dieser Zeitqualität.

 

Dabei hilft dir, wenn

- du unvoreingenommen bist,

- du dich von deiner Intuition leiten lässt,

- du dir versuchst vorzustellen, dass alles potentiell eine Bedeutung hat,

- du dir versuchst vorzustellen, dass gewisse Dinge in einem grösseren Zusammenhang stehen,

- du dich fragst, was du jetzt mit diesem Wissen machst.

 

Dadurch, dass du viel achtsamer bist, siehst du Zusammenhänge, die du vorher so nicht wahrgenommen hast. Du liest Information in und hinter den Dingen. Neugierig erforschst du die Realität aus einem neuen Bewusstsein heraus, was wiederum den weiteren Verlauf deines Lebens sanft und nachhaltig zu verändern beginnt. 

 

Wie bei einem Narren kommst du somit langsam in einen ursprünglichen Zustand zurück. Es ist eine erste Weichenstellung, die dich in ein authentisches Leben, in dem du deine Potentiale verwirklichen kannst, führen wird.

 

©Andrea Hofman, 2021

 

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