Volksmärchen


Geschichten als Vorlage für ein Leben im Einklang mit der Natur

Indigene Völker halten sich eng an die jahreszeitlichen Zyklen. Sie wissen, dass jeder Zyklus Erneuerung bringt. Unsere prähistorischen Vorfahren in Europa haben lange vor unserer Zeit ebenso naturnah gelebt, nur meinen wir, keine Über-lieferungen darüber zu haben, weil keine schriftlichen Aufzeichnungen bestehen. 

 

In den letzten Jahrzehnten haben Forscher aus unter-schiedlichen Disziplinen ihre Resultate zu vergleichen begonnen. Während Archäologen und Astronomen die Steinkreise aus vorgeschichtlicher Zeit untersuchen und Linguistiker die Ursprünge der europäischen Sprachen auf-spüren, befassen sich die Religionswissenschaftler mit dem vor-christlichen Glauben aus dieser Zeit. Die Hinweise verdichten sich, dass die Volksmärchen, die bis vor einigen Jahrhunderten nur mündlich weitererzählt wurden, aus ebendieser Zeit stammen und somit unser kulturelles Erbe aus der Steinzeit sind.

 

Natürlich wurde die Ausstaffierung einer Geschichte jeweils vom Erzähler an sein Jahrhundert angepasst, so dass aus einer Häuptlingstochter eine Prinzessin wurde und aus einem primitiven Karrwagen eine vornehme Kutsche, trotzdem blieben Inhalt und Aussage einer Geschichte über Jahrtausende erhalten. 

 

Was die mündliche Überlieferung nicht veränderte war aber der Erzählrhythmus – der Ablauf der Geschichte. So findet sich in jedem Märchen versteckt einen gleichen Ablauf, von „Es war einmal“ bis zu „und sie lebten glücklich und zufrieden“.

 

Dieser immer gleiche Ablauf im Märchen ist die Abbildung astronomischer Zyklen.

 

So dienten die Volksmärchen offenbar einst dazu, den Menschen die natürlichen Veränderungsprozesse im Leben nahe zu bringen und ihnen zu zeigen, wie sie sich möglichst im Einklang damit verhalten konnten.